Vergleichsportale: Wechsel der Autoversicherung wird schwieriger

25.11.2011, www.faz.net

Durch den Wettbewerbsdruck zwischen Vergleichsportalen gibt es weniger Transparenz. Wer zum 30. November kündigen will, muss nun mehr tun, um sich zu informieren.

Von Philipp Krohn

Auch für Pfennigfuchser wird das Leben nicht einfacher. Noch in den vergangenen Jahren kannten sie den Wechseltermin für ihre Autoversicherung genau, konnten Tarife leicht vergleichen und darauf setzen, dass die Policen wieder billiger sein würden als im Vorjahr. Diese drei Bedingungen sind inzwischen nicht mehr erfüllt. Der Wechsel ist schwieriger geworden.

Einige Versicherer haben den festen Termin 30. November aufgegeben, indem sie die Fälligkeit ihrer Verträge flexibilisiert haben. Statt zum 1. Januar könnten die Policen zu anderen Terminen auslaufen. "Aus unserer Sicht nimmt das leider Wettbewerb aus dem Markt", kritisiert Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Wer einen solchen Vertrag abgeschlossen hat und kündigen möchte, muss auf seinen individuellen Termin achten. Zudem hat die Konkurrenz unter den Portalen dazu geführt, dass ein Vergleichsrechner nicht mehr ausreicht, um das gesamte Angebot zu überblicken. Den ruinösen Preiskampf haben die Versicherer zudem aufgegeben. Das zweite Jahr in Folge steigen nun die Preise.

Durchschnittlich sind neue Tarife jetzt um 5 Prozent teurer als im Vorjahr, hat die Beratungsfirma Nafi errechnet. Auch die Preise schon abgeschlossener Tarife steigen. "Verbraucher können also durch einen Wechsel etwas Günstigeres finden. Sie werden aber mehr zahlen als für den günstigsten Tarif im vergangenen Jahr", sagt Nafi-Geschäftsführerin Ivana Höltring. Das war aus Sicht der Branche auch dringend nötig. Selbst in diesem Jahr haben sie trotz höherer Preise überwiegend keinen Profit aus der Autoversicherung gezogen. Kaum ein Anbieter habe im Jahr 2011 ein versicherungstechnisches Plus erzielt, beklagte kürzlich der Branchenverband GDV auf seiner Jahrestagung. Statt 1,07 Euro wie im vergangenen Jahr gab die Branche 2011 durchschnittlich 1,06 Euro je Euro Beitrag für Schäden und Kosten aus.

Der Branchendienst Map-Report geht deshalb hart mit Medien und Internetportalen ins Gericht, weil sie die Kunden zu Billiganbietern trieben. Die Insolvenz des Anbieters Ineas müsse den Blick dafür schärfen, dass auch die Ertragslage, die finanzielle Stabilität und die Prozessquote wichtige Auswahlkriterien seien. "Ein Versicherer muss gut funktionieren, und das für wenig Geld", resümiert der Map-Report in seinem diesjährigen Rating.

Hatten die Portale in den vergangenen Jahren viel Transparenz in den Markt gebracht, stehen sie inzwischen selbst in der Kritik. Weil er die Provisionen für vermittelte Policen bei Check 24 für zu hoch befand, gab der Marktführer Huk-Coburg seine Daten nicht mehr an das erfolgreichste Internetportal Check 24. Gemeinsam mit HDI Direkt und WGV firmierte das Unternehmen daraufhin das Portal Aspect Online in den eigenen Vergleichsrechner Transparo um. Dem wiederum entzog die Allianz, in der Zahl der Verträge Nummer zwei am Markt, die Kooperation. Die Folge: Preisvergleiche sind nur noch bedingt aussagekräftig.

"Man sollte deshalb mindestens zwei Portale zu Rate ziehen", empfiehlt Jürgen Stellpflug, Chefredakteur von "Ökotest". Einer seiner Tests hat jüngst ergeben, dass ihr Vergleich der Angebote selten mit Angaben der Anbieter übereinstimmte und so auch die Ranglisten durcheinandergerieten. "Vor drei Jahren fiel der Test noch deutlich besser aus", sagt Schtellpflug. Verbrauchern empfiehlt er, darauf zu achten, ob auf dem Portal auf den ersten Blick zu erkennen ist, wer seine Daten nicht zur Verfügung stellt. Wenn der Kostenführer Huk nicht dabei sei, müsse man das Ergebnis zumindest hinterfragen.

Die Rangfolge des Map-Reports fällt noch einmal anders aus. Wegen der Vertragsgestaltung landen bei ihm große Anbieter wie die Versicherungskammer Bayern, die Allianz oder die Sparkassen-Versicherung nur im hinteren Mittelfeld. Huk-Coburg, Öffentliche Braunschweig, VGH, Provinzial Rheinland und WGV punkten dagegen in seiner Analyse bei Bilanz, Service und Vertragsgestaltung.

Die Standardtarife haben sich zwar in den vergangenen Jahren angeglichen. Marderbisse, Versicherung auf Auslandsfahrten und der Einschluss fahrlässigen Verhaltens gehören meist dazu, man kann sie aber in den günstigeren Basistarifen herauswählen. Neu dagegen sind die Schadenfreiheitsklassen, die fünf große Anbieter eingeführt haben. Dadurch können junge Fahrer schneller auf Nachlässe hoffen, während ältere Fahrer mehr Stufen durchlaufen müssen, bis sie den höchsten Rabatt erhalten. Der wiederum fällt dann aber höher aus als bisher. "Darauf muss man beim Wechsel achten, denn beim neuen Versicherer kann man in eine ganz andere Systematik kommen", mahnt Verbraucherschützer Rudnik. Zudem werde in vielen Fällen die Grundprämie erhöht, auf die der Rabatt gewährt wird.